21. Jun 2021

Mehr als hippe Kleidung: Funktionale textile Oberflächen

Mehr als hippe Kleidung: Funktionale textile Oberflächen

Wer über funktionale Textilien redet, spricht meist über Bekleidung. Dass das Feld wesentlich breiter ist, verdeutlichte das GRAVOseminar am 9. Juni 2021. Gemeinsam mit dem Netzwerk SmartTex hatte GRAVOmer zu dieser Online-Veranstaltung eingeladen, etwa 30 Mitgliedsinstitutionen und -unternehmen aus beiden Netzwerken waren der Einladung gefolgt.

Ursprünglich im Jahr 2011 als Verbund aus acht thüringischen Textilunternehmen entstanden, hat sich das SmartTex-Netzwerk bis heute stark vergrößert: 66 Mitglieder aus sieben europäischen Ländern zählt das Netzwerk heute. Fokus der Netzwerkarbeit ist die Entwicklung von textilien Lösungen für Elektronik, Bio-Sensorik, Life Science, Energie und Automotive, wie Projektmanager Klaus Richter verdeutlichte. Zu aktuellen Innovationsprojekten gehören die Integration textiler Lautsprecher in Freizeithemden oder Berufsbekleidung, die Rauschgift- oder Sprengstoffdetektion durch Textilelektronik oder die Entwicklung eines flexiblen Flächenlichts für Sicherheitsanwendungen oder die Kennzeichnung von Arbeitsschutzbekleidung. Richter skizzierte auch, welche Kooperationsmöglichkeiten er zwischen den Mitgliedsunternehmen beider Netzwerke erkennt: So sei eine Zusammenarbeit bei Oberflächenmodifikationen zur Verbesserung der Abriebfestigkeit oder für optische Effekte wie partiellen Glanz vorstellbar. Auch die Entwicklung von Oberflächen, die sich dauerhaft selbst reinigen können, oder die gezielte Entwicklung von textilbasierenden Membranfunktionen seien sinnvolle nächste Schritte.

Welche technischen Möglichkeiten die Funktionalisierung textiler Oberflächen mittels Mikrostrukturierung schon heute bieten, erläuterte anschließend Dr. Thomas Bahners, früherer Leiter der Arbeitsgruppe "Physikalische Technologien" des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West gGmbH, Krefeld und heute Mitglied des Beirats des WIR!-Bündnisses GRAVOmer. Er verdeutlichte insbesondere das große Innovations- und Marktpotenzial technischer Textilien, die im Fahrzeug- und Flugzeugbau, in der Umwelttechnik, der Medizintechnik, in der Architektur und in der Elektronik angewendet werden können. Für jedes dieser Felder zeigte er konkrete Lösungen, beispielsweise textilbasierte Anlagen zur Wassergewinnung, sogenannte "Nebelfänger" in Namibia, textile Architekturen wie die "Zeltstadt" Mekka oder künstliche textile Blutgefäße oder Implantatmaterial. Bei all diesen Anwendungen könnten die Vorzüge textiler Strukturen zur Anwendung kommen, sei es ihre Flexibilität und ihr dreidimensionales Porensystem, sei es die Materialvielfalt mit unterschiedlichsten mechanischen und thermischen Eigenschaften. Einen zusätzlichen "Freiheitsgrad" bietet Bahners zufolge die "Mikro-Rauhigkeit", die durch unterschiedliche Formen der Mikrostrukturierung etwa per UV-Laserbehandlung, mit Bindepasten oder durch Schaffung nanopartikelhaltiger Hybridpolymere (Sol-Gel-Technik) zu erreichen ist. Dabei lassen sich unterschiedlichste Grade der Benetzbarkeit oder der Partikelhaftung erreichen, die dann für unterschiedliche Zwecke angewendet werden können.

Beide Referenten erklärten ihre Bereitschaft, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen und potenzielle Gesprächspartner zu vermitteln.

Die nächste GRAVOmer-Veranstaltung findet am 14. Juli 2021 statt - die Netzwerkveranstaltung GRAVOnet. Hierbei widmen wir uns den großen Zukunftsherausforderungen Ökologie, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Innovation - und der Frage, was wir als GRAVOmer-Netzwerk zu ihrer Lösung beitragen können.

Zur Veranstaltung GRAVOnet - Mit Zukunft Oberflächen nachhaltig gestalten